Drei Ebenen, sich selbst zu begegnen
(und sich seinen Problemen zu stellen)
Aus meiner Sicht gibt es drei Ebenen, sich seinen Themen zu stellen, auf die alle Menschen relativ unmittelbar Zugang haben.
Die erste – weil sie die ist, die uns aus kulturellen Gründen die vertrauteste ist – ist die des Verstandes.
Situationen zu durchdenken, das ist es, was wir gewohnt sind, von klein auf werden wir dazu angehalten, unseren Verstand zu benutzen, um die Welt zu begreifen. Das hat auch gute Gründe, ist doch der Verstand zum Beispiel die Grundlage, um in sprachliche Kommunikation zu gehen.
Auf dieser Ebene funktioniert unsere moderne Welt und es spricht erst mal nichts dagegen, den Verstand zu benutzen.
Auch Therapie beginnt und basiert auf dieser Ebene, die Dinge, die wir heilen wollen, von ihnen erzählen wir zunächst – eine Verstandesleistung.
Allerdings machen die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens auch die Erfahrung, dass sich manche Probleme nicht lösen lassen, indem wir immer und immer darüber andenken. Der Verstand ist glücklicherweise nicht die einzige Ebene, das Leben zu begreifen.
Daneben gibt es die Ebene der Gefühle, die, wie wir ja wissen, eine tragende Rolle spielt. In dem Moment, in dem wir uns darauf konzentrieren, merken wir sofort – denken und fühlen sind zwei zentral unterschiedliche Qualitäten.
Und für die Betrachtung von vertrackten Situationen ist die Beachtung der dazugehörigen Gefühle ungemein hilfreich. Besser gesagt: das Fühlen der Gefühle.
Hier wird es meist schon ein wenig schwieriger: denn kulturell gesehen pflegen wir einen eher ungünstigen Umgang mit Gefühlen. Während wir darauf trainiert werden, unseren Verstand zu benutzen, lernen wir gleichzeitig, bestimmte Gefühle zu unterdrücken.
Aus diesem Grund kann eine Therapie, in der das Wahrnehmen von Gefühlen geübt und trainiert wird, so sehr hilfreich sein. Denn blockierte Gefühle können auf Dauer krank machen, zumindest führen sie ein Eigenleben und sorgen für Zustände in unserem Leben, die wir so eigentlich nicht wollen.
Und wenn das Wesen der Gefühle einmal verstanden ist – nämlich, dass sie kommen und gehen -, dann wird die Beschäftigung mit ihnen weniger bedrohlich. Dann können auch alte und unangenehme Gefühle erlebt und losgelassen werden.
Die dritte Ebene – und ich meine, sie ist die mit dem schnellsten Zugang zum Kern eines Problems – ist die des Körpers.
Evolutionär gesehen ist der Körper unser ältester Teil und man könnte daraus den Schluss ziehen, dass er deshalb auch unser weisester Teil ist.
In der Therapie zeigt sich zumindest, dass der Körper im Grunde immer etwas zu einem Problem oder sagen wir, neutral, zu einer Situation zu sagen hat – und dass wir in der Regel große Schwierigkeiten haben, zu zu hören.
Ich habe nicht einen Menschen kennen gelernt, der ein entspanntes Verhältnis zu seinem Körper hat und ihm sicher folgt und vertraut.
Aber genau das lässt sich ändern – in dem wir uns bewusst fragen: „was sagt mein Körper dazu?“ und lernen, ihn wahrzunehmen und seinen Impulsen zu vertrauen.
Gleichzeitig lassen sich meiner Erfahrung nach selbst die komplexesten Fragen in relativ kurzer Zeit über die Fokussierung auf den Körper begreifen und beantworten.
Aus diesem Grund biete ich in meiner Praxis Aufstellungen an und nutze sie gerne auch in Supervisionen, denn jeder, der schon einmal an einer Aufstellung teilgenommen hat, weiß, wie schnell, umfassend und tiefgehend Dinge verstanden werden können, wenn wir unsere Körper involvieren.
Warum wir aus der Nummer mit der Herde nicht
rauskommen
und wie wir trotzdem glücklich sein können
Natürlich weiß ich, dass der Vergleich Mensch – Tier hinkt und dass der Mensch unvergleichlich viel komplexer ist als jedes Tier, das wir kennen.
Jedoch wird doch leicht übersehen, dass wir als Menschen einen Körper haben und dieser Körper funktioniert nun mal nach uralten biologischen Mechanismen.
Meines Erachtens wird in der gängigen psychologischen Theorie (ohne dass ich den Anspruch erhebe, sie wissenschaftlich komplett durchdrungen zu haben) übersehen, wie tiefgreifend dieser Fakt in unser persönliches Leben eingreift.
Als Wesen mit dem Instinkt eines Herdentieres, werden wir uns immer bedroht fühlen, solange wir keiner Herde zugehören. Ein einzelner Mensch in der Wildnis hat schlechte Chancen zu überleben – während der Mensch im Übrigen als Herde in der Lage ist, jede Wildnis zu beherrschen.
Wenn wir als Menschen biologisch darauf ausgerichtet sind, in einer Gemeinschaft zu leben, dann ist das moderne Leben so dermaßen destruktiv, dass psychisches Leid keine Ausnahme sein kann, sondern die Regel sein muss.
Es beginnt in der Kindheit: In Deutschland ziehen im besten Fall Vater und Mutter ihre kleinen Kinder auf. Jeder, der das erlebt hat, weiß: zwei Menschen reichen einfach nicht. Mindestens die schlaflosen Nächte, die junge Eltern erleben, führen unweigerlich dazu, dass die Eltern physisch ausgelaugt sind und in der Folge auch nicht mehr psychisch stark genug, um zugewandt mit ihrem Säugling umzugehen.
Dazu kommt in der Regel ein immenser gesellschaftlicher Druck, das bedeutet, in der einen oder anderen Weise haben die Eltern existenzielle Nöte (ob eingebildet oder nicht, spielt keine Rolle).
Durch die Vereinzelung der Menschen fehlt das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit und wenn die Eltern das nicht erleben, überträgt sich dies auch auf die Kinder.
So beginnt unser Leben also bereits in einem Umfeld der ständigen Bedrohung – und dies auf einer rein bio-physiologischen Grundlage.
Meines Erachtens wird die Tragweite dieser – erst physischen, dann psychischen – Vorgänge unterschätzt und dann wird auch noch in den meisten Therapie der Fokus darauf gelegt, was zwischen Eltern und Kind falsch gelaufen ist. Und das ist naturgemäß eine Menge.
Allerdings wird dabei übersehen, dass es wohl auf der ganzen weiten Welt in der Regel niemanden gibt, der so viele Jahre (welches andere Lebewesen braucht 18 Jahre um groß zu werden?!) bereit ist, alles zu geben - so wie es die Eltern tun.
Hier spreche ich ausdrücklich nicht von den Eltern, die ihre Kinder misshandeln oder böswillig verlassen usw. Wenn man das Pech hat, in einer dieser Familien groß zu werden oder von seinen Eltern verlassen wird, stellt sich das Leben noch einmal anders dar. Dann ist die Verstörung natürlich noch um ein vielfaches größer.
Aber in der Regel versuchen Eltern ihr Bestes und auf Grund der Umstände reicht das einfach nicht aus. Wenn nun in der Therapie der Fokus unreflektiert auf das Fehlverhalten der Eltern gerichtet wird, dann kommt es oft vor, dass wir auch noch dem beraubt werden, was uns im besten Fall durch das Leben trägt: Die Liebe. Denn die Liebe der Eltern zu ihren Kindern ist meines Erachtens nach die stärkste, die es gibt (obwohl es dem Wesen der Liebe widerspricht, gemessen zu werden).
Somit trägt die Psychologie oft zur Vergrößerung des Leidens bei, obwohl sie doch das Gegenteil bewirken sollte.
Was also ist die Antwort?
Anzuerkennen, dass das Leben, so wie wir es gewohnt sind zu führen, für uns als Menschen bedeutet, dass wir uns in einem Zustand der ständigen Bedrohung fühlen und sich dieser Zustand auf einer bio-physischen Ebene abspielt. Wir kommen also nicht raus aus dieser Nummer solange wir es nicht schaffen, in einer stabilen Gemeinschaft zu leben. Daraus soll nicht der Schluss gezogen werden, sich nun auf Teufel komm raus eine feste Gemeinschaft zu suchen. Denn hier würden weitere Fallstricke lauern.
Sondern hier greift Therapie im besten Fall an: sich selbst und die eigenen Strategien kennen zu lernen, in dieser verrückten Welt klar zu kommen.
Das Faszinierende ist, dass wir als Menschen es trotzdem schaffen, zu überleben und uns die wildesten Strategien ausdenken, um trotzdem glücklich zu sein.
Es geht darum, sich bewusst zu werden, welche Mechanismen im eigenen Leben wirken, um die gefühlte Bedrohung zu kompensieren.
Um dann freier entscheiden zu können, wie das eigene Leben aussehen soll.
(Und die Entscheidung, sich eine Gemeinschaft zu suchen, ist sicher nicht die schlechteste – sie sollte nur frei und ohne Zwang getroffen werden.)
Sich der eigenen Ängste bewusst zu werden und zu verstehen, wie tiefgreifend sie unsere Entscheidungen beeinflussen, versetzt uns in die Lage, sich mit uns selbst zu versöhnen und sich neu aus zu richten.
Und die Nummer mit der Herde – es ist einfach für viele Menschen eine Erleichterung, die Zusammenhänge zu kennen. Oft ist es einfach so, dass das Wissen darum, dass wir nicht alleine sind mit unserem Unglücklich-Sein, schon Frieden für unseren Geist schafft.
Das bedeutet also:
- sich der Zusammenhänge bewusst werden, in denen wir leben
- zu verstehen, inwiefern sie das eigene Leben beeinflussen
- die damit zusammenhängenden unbewussten Ängste reflektieren
- und sie auf ihren Platz verweisen
Wenn Sie neugierig geworden sind und mich und mein Angebot kennenlernen wollen, können Sie hier Kontakt aufnehmen.
Oder informieren Sie sich über meine Workshops, die ich auf Grundlage meiner Erfahrung konzipiert habe.
was hilft, die Partnerschaft zu verbessern
Entscheiden – aufhören zu urteilen – sich hingeben – sich selbst zuwenden (den andern aus der Geiselhaft entlassen)
Die Entscheidung
Generell gilt:
die besten Partnerschaften sind die, in denen sich beide füreinander entschieden haben.
In den Beratungsprozessen hat sich immer wieder gezeigt: es gibt so viele Gründe, sich nicht für eine Partnerschaft zu entscheiden (und sie trotzdem weiter zu führen), wie es Menschen gibt.
Aber: wenn die Entscheidung nicht steht, wird sich das immer und immer wieder in der Partnerschaft als Kränkung zeigen.
Die erste Frage, die man sich also stellen sollte, wenn man daran interessiert ist, seine Partnerschaft zu verbessern:
Ist sie die Frau, mit der ich mein Leben teilen will?
Ist er der Mann, mit dem ich mein Leben teilen will?
Um den Druck zu nehmen, den so eine Frage erzeugt, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass wir frei sind, auch Entscheidungen jederzeit neu zu treffen.
Aber für den Moment sollte die Entscheidung für die Partnerschaft stehen, sonst bringt die beste Paartherapie nichts (oder eben die Erkenntnis, dass eine Trennung die bessere Wahl ist).
Außerdem ist dies eine Frage, die jede/jeder erst einmal besser für sich selbst stellt und beantwortet. So wie es prinzipiell zu einem paartherapeutischen Prozess gehört, dass sich beide mit ihren eigenen Themen auseinandersetzen. Wir sind es gewohnt, es wird uns geradezu anerzogen, unsere persönlichen Probleme auf den Partner / die Partnerin zu projizieren. Dies ist Teil unserer Kultur und führt aus meiner Sicht mit zu so vielen Missverständnissen, die eine Partnerschaft vergiften können.
Deshalb lege ich meinen Klientinnen und Klienten immer wieder ans Herz, sich während des Prozesses auch intensiv mit den eigenen Themen auseinanderzusetzen. So wächst auf der einen Seite das Verständnis für die eigenen Zusammenhänge und auf der anderen Seite beenden die Menschen eine Art von Abhängigkeit von der Partnerschaft, die unfrei und ohnmächtig macht.
Meistens liegen tiefe Ängste zu Grunde, wenn wir uns innerlich nicht für eine Partnerschaft entschieden haben, an der wir dennoch festhalten.
Wir dürfen nicht vergessen, dass es in unserer Welt immer tiefe Ängste berührt, wenn wir uns ernsthaft auf einen anderen Menschen einlassen. Es ist am Ende die Angst, den anderen zu verlieren, was ja auf jeden Fall passieren wird, denn unser Leben hier ist endlich. Also gehe entweder ich zuerst oder der andere.
Was ich damit verdeutlichen will, ist, dass Ängste immer Sinn machen und unser Leben zutiefst beeinflussen. Es ist wichtig, sie zu kennen, damit wir sie integrieren können und sie uns nicht unbewusst dominieren.
Manchmal und nicht selten stecken handfeste materielle Gegebenheiten dahinter. Manchmal ist es einfach so, dass sich Menschen nicht vorstellen können, alleine zu leben.
Manchmal stellt sich heraus, dass die Entscheidung nie richtig stand und es von Beginn an ein Ungleichgewicht gab.
Manchmal steht die Entscheidung in Frage, weil das Leben außerhalb der Partnerschaft schwierig geworden ist und die Partnerschaft belastet.
Manchmal können sich Menschen grundsätzlich nicht für eine Partnerschaft entscheiden, weil die Angst vor dem Verlust zu groß ist.
Egal, um was es geht, es ist wichtig, den eigenen Grund zu kennen, um eine – vielleicht neue – Entscheidung treffen zu können. Dabei ist es wichtig, alle Gründe wertfrei anzuerkennen, sich selbst - aber auch den Anderen / die Andere - dabei nicht zu verurteilen, sondern das, was ist, anzuerkennen.
Je nachdem was vorliegt, sehen die Lösungswege unterschiedlich aus.
Wichtig ist, das, was ist, anzuerkennen.
Und führt uns zu dem nächsten Schritt:
Aufhören zu urteilen
Annehmen, was ist
Es ist also immer die selbe Antwort, egal, auf welches Thema wir schauen:
das, was ist, anerkennen, so wie es ist.
Das klingt leicht und ist doch der schwerste Weg.
Denn das heißt, alle Urteile und Verurteilungen los zu werden. Und das wiederum bedeutet, dass wir das, was wir denken, auf den Prüfstein legen. Nur dann können wir das anerkennen, was ist, so wie es ist.
Unser Verstand wiederum ist allerdings meistens der Teil, mit dem wir uns am meisten identifizieren.
Das hat mit unserer Kultur zu tun, in der wir von klein auf lernen, alles mit dem Verstand zu begreifen und auch zu beurteilen.
Und der Verstand ist ein mächtiges Werkzeug, wenn es darum geht, sich im Leben zurecht zu finden. Allerdings bringt er eben auch die Ebenen von gut und schlecht mit sich und verhindert oft, dass wir annehmen, was ist. Weil wir am Ende des Tages auch uns selbst beurteilen. Und das, was wir als „schlecht“ beurteilen, das nehmen wir in der Regel nicht an. Ob es nun wir selbst sind, die wir beurteilen oder jemand anderen.
Annehmen, was ist, das lernen wir dann, wenn wir aufhören, uns und andere zu beurteilen.
Im therapeutischen Prozess ist es immer wieder sehr spannend, hin zu schauen, wo genau liegen die Urteile, sie sind mit unserem Leben, unserem Er-lebten eng verstrickt, oft genug sind sie aber eben auch nur übernommen von anderen Menschen und widersprechen sogar unserem Erleben
Hingabe
Die schönste Beobachtung, die ich machen durfte, ist, zu sehen, wie schön Partnerschaften sein können – wenn sich beide hingeben.
Merkwürdig, dass uns dieser so einfach und ich denke so zutiefst menschliche Teil so wenig geläufig ist.
Dabei macht es am meisten Spaß, in einer Beziehung zu leben, in der beide sich hingeben.
Sich damit beschäftigen, dem Anderen eine Freude zu machen.
Und sich an der Freude des Anderen zu erfreuen.
Und wenn wir uns erinnern, ist es nicht das, was wir uns am meisten wünschen: dass sich Andere darüber freuen, dass wir da sind?
Wie kommt es dann eigentlich, dass wir so wenig bereit sind, in unseren engsten Beziehung etwas dafür zu tun. Uns damit aktiv zu beschäftigen, was der andere braucht und was ich in der Lage bin zu geben?
Hingabe ist übrigens etwas anderes, als sich auf zu opfern. Opfern heißt, ich habe das Gefühl, dass es mich schmerzt, wenn ich etwas gebe.
Hingabe hat eine gänzlich andere Voraussetzung. Ich weiß, dass ich gebe und freue mich über die Freude des anderen.
Und ich gebe nicht aus Schmerz, aus Demut oder aus Angst, keine andere Wahl zu haben.
Wenn Menschen von Hingabe hören und dann reagieren mit dem Gedanken „ich gebe doch schon so viel, aber bekomme gar nichts zurück“ – dann wäre es eher an der Zeit, sich damit zu beschäftigen, warum man selbst sich in einer Partnerschaft befindet, in der man das Gefühl hat, nichts zu bekommen. Was zum nächsten Punkt führt:
sich selbst zuwenden und den anderen aus der Geiselhaft entlassen
Während es meistens Spaß macht, sich zu überlegen, wie ich dem anderen meine Hingabe ausdrücken kann, ist es meist ein sehr schwerer Schritt, sich selbst zu zu wenden. Vor allem wenn Menschen mit Problemen in der Partnerschaft kommen, sind sie in der Regel davon überzeugt, dass alles gut wäre, wenn der andere anders wäre.
Diese Annahme ist ganz normal, sie wird uns von klein auf als die Wahrheit präsentiert. Männer und Frauen wachsen auf mit einer ganzen Reihe von angebotenen Stereotypen des jeweils anderen, die ihnen das erhoffte Glück präsentieren. Und wenn wir eine Partnerschaft eingehen, dann weil das Gegenüber irgendetwas davon erfüllt.
Wenn wir anfangen zu leiden, dann, weil der andere irgendetwas nicht – oder scheinbar nicht – erfüllt.
Wir sind dann in irgendeiner Weise getroffen und es geht genau darum, sich zu überlegen, welchen wunden Punkt (der immer in mir selbst liegt) meine Partnerin oder mein Partner getroffen hat.
Wenn wir uns auf uns konzentrieren, merken wir, dass die Ursache der Kränkung meist viel weiter zurück liegt als die Partnerschaft, zumindest das zugrunde liegende Konzept der Kränkung.
Dieses - Weg vom Partner, hin zu mir selbst – wird uns meist erschwert durch die Konzepte, die wir mit uns herumtragen, wie ein Partnerschaft zu sein hat. Also auch hier wird der – sonst hilfreiche – Verstand zu unserem eigenen Fallstrick.
Wir halten oft fest an uralten Überzeugungen ohne wirklich zu merken, dass die Überzeugungen nicht einmal unsere eigenen sind, sondern welche, die wir entweder von anderen Menschen oder aber – und das ist der häufigste Fall – aus Geschichten übernehmen. Wie würden wir wohl auf unsere Liebsten schauen, wenn wir noch nie einen Liebesfilm gesehen hätten? Hätten wir wirklich den gleichen Anspruch (an den anderen!) und die gleichen Vorstellungen?
Es gilt also auch hier: sich selbst und den eigenen Konzepten auf die Schliche zu kommen, die eigenen Wunden zu sehen (und sie zu heilen, wenn möglich) – im ersten Schritt: annehmen, was ist.
Durch das gesteigerte Bewusstsein über die eigenen Zusammenhänge ergibt sich in der Regel das, was ich „den anderen aus der Geiselhaft entlassen“ nenne:
wir erkennen, dass wir es sind, die für unser Wohl verantwortlich sind, nicht unser Partner/unsere Partnerin.
Wir können also aufhören, ihn mit Anforderungen zu verfolgen, die ihn entweder auslaugen oder die er nicht bereit ist, zu erfüllen.
Oder wir erkennen, dass wir nicht mehr bereit sind, in eine Partnerschaft zu investieren, die darauf beruht, dass nur ich gebe und der andere sich auf meine Kosten wohlfühlt.
Zum Schluss empfehle ich noch, nicht zu vergessen, dass wir in eine Partnerschaft normalerweise alle Bedürfnisse packen, die wir als Erwachsene so haben – und dass doch klar ist, dass ein Mensch alleine diese Bedürfnisse nicht erfüllen kann. Lese gerne den Artikel über die Nummer mit der Herde, den ich oben veröffentlicht habe.
Ein Mensch alleine kann eine Herde natürlicherweise nicht ersetzen, aber die Hoffnung ist immer, dass es so sei. Darüber dürfen wir uns bewusst werden, dann können wir milder mit uns und dem anderen umgehen.
Wenn Sie neugierig geworden sind und mich und mein Angebot kennenlernen wollen, können Sie hier Kontakt aufnehmen.
Extra für Paare habe ich den Workshop Partnerschaft und Beziehung: Die Liebe tiefer leben entwickelt.
Psychisch am Ende und nun?
Wir müssen gar nicht in die Statistiken schauen (die alle eine Zunahme der psychischen Erkrankungen in der Gesamtbevölkerung aufzeigen), um zu sehen, dass es sehr vielen Menschen in Deutschland sehr schlecht geht.
In den vergangenen Jahren galten ca. 28 % der Bevölkerung als psychisch krank – und diese Statistik erfasst noch nicht die Menschen, die keinen Arzt aufsuchten. Es mag Betroffene zumindest trösten, dass, wenn fast jeder Dritte psychisch krank ist, sie nicht alleine sind mit ihrem Leiden.
Jenseits der Statistiken können wir aber auch im alltäglichen Leben sehen, dass es vielen Menschen sehr schlecht geht.
Die Ursachen sind vielfältig und werden an anderer Stelle beschrieben.
Hier soll es darum gehen, was hilft, wieder das eigene Leben und sich selbst zu sortieren und – natürlich – wieder glücklich zu werden.
Ich benutze ganz bewusst das Wort „glücklich“ obwohl es wissenschaftlich unscharf ist und auch selten in einer Kategorie von gesund vorkommt. Ich denke jedoch, es ist genau das, was wir anstreben und was uns zu schaffen macht, wenn es uns abhanden gekommen ist – das Gefühl, glücklich zu sein.
In der Therapie können viele verschiedene Methoden angewandt werden – doch was meiner Erfahrung nach tatsächlich hilft, ist der Umstand, dass es einen anderen Menschen gibt, der uns zuhört und im besten Fall das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein auf dieser Welt.
Für mich ist dies der zentrale Wirk - Faktor einer Therapie.
Als Menschen benötigen wir unbedingt andere Menschen zum Gedeihen. Alleine schon biologisch gesehen sind wir Herden-Tiere (oder Rudel-Tiere, je nachdem ob man den Menschen mehr als Raubtier oder als Beutetier versteht). Im einen wie im anderen Fall können wir ohne die anderen nicht überleben. Naja, können schon, aber nur unter überaus schweren Umständen und wir werden immer alles dafür tun, uns wieder einer Herde anzuschließen.
Und hier beginnt das Drama der modernen Welt, in der die Familien zerrüttet sind und es normal ist, dass Erwachsene alleine oder zu zweit in ihrer eigenen Wohnung wohnen, eventuell noch mit ihren Kindern. Jeder, der kleine Kinder großgezogen hat, weiß wie sehr man auch zu zweit an seine Grenzen kommt.
Es gilt als afrikanisches Sprichwort, dass man ein ganzes Dorf brauche, um Kinder groß zu ziehen, aber für mich ist es viel weniger ein Sprichwort, als die ganze Wahrheit.
Und noch mehr, wir brauchen ein ganzes Dorf, sprich, eine feste Gemeinschaft, der wir uns zugehörig fühlen, um uns – auch als Erwachsene - ganz wohl zu fühlen.
Eine Therapeutin oder ein Therapeut kann natürlich nicht ein ganzes Dorf ersetzen, aber sie kann als Art Krücke funktionieren – und erst mal das Gefühl vermitteln, dass wir nicht ganz alleine sind auf der Welt.
Mit diesem Angebot also („hey, ich bin für Dich da, Du bist nicht mehr ganz alleine mit Deinen Gedanken und Gefühlen und den ganzen Schwierigkeiten im Leben“) beginnt eine Therapie.
Und dann hilft es natürlich, sich die ganzen Zusammenhänge bewusst zu machen:
warum bin ich so wie ich bin und nicht anders?
Dazu gehört, das eigene Leben und die eigene Geschichte zu ehren, so wie es eben jetzt ist und sich zeigt.
Das klingt so einfach und ist doch die allergrößte Hürde, die wir zunächst nehmen müssen.
Wenn wir aufhören, ständig in einem anderen Leben sein zu wollen oder eine andere Person sein zu wollen oder anders fühlen und denken zu wollen, sondern das annehmen, was ist, wird alles viel leichter.
Und hier greift Therapie: die unbewussten Mechanismen unserer selbst ans Licht zu holen.
Also wo lehnen wir uns ab und warum tun wir das?
Und wie können wir Frieden mit uns selbst (also auch mit den Umständen, in denen wir leben) schließen?
Damit uns mehr Kraft bleibt, das Leben, das ja schon schwer genug ist, wenn wir eine Therapie in Anspruch nehmen, nicht nur zu meistern sondern auch so zu gestalten, dass wir es wieder genießen können.
Neben der – hoffentlich guten Beziehung zur Therapeutin oder zum Therapeut – bietet eine Therapie einen guten Rahmen, sich in Ruhe mit dem auseinander zu setzen, was das Leben so schwer macht.
In meiner Praxis habe ich festgestellt, dass es als erstes immer darum geht, den Kampf gegen sich selbst sein zu lassen. Konkret heißt das, wir beginnen, zu beobachten. Beobachten und dabei auch die Wertungen zu beobachten, die sich einschleichen. Das ist immer ein sehr spannender Prozess.
Und es gibt verschiedene Ebenen, auf denen wir Zugang zu uns selbst finden:
wir können unsere Gedanken beobachten oder unsere Gefühle oder unseren Körper
- dies sind die drei greifbaren Ebenen, auf die jeder Mensch einen direkten Zugang hat.
Die Kunst ist es jetzt, zu erkennen, dass nichts statisch und von Dauer ist.
Gedanken und Gefühle haben die Eigenschaft, zu vergehen. Wir können sie nicht festhalten, auch wenn wir das wollten.
Wenn wir das verstanden haben, wird es leichter, sich unliebsamen Gedanken und Gefühlen zu nähern. Auch sie vergehen.
Weil wir in schwierigen Situationen oft meinen, dass unsere Gedanken und Gefühle uns überrollen, ist es gut, sich diesem Prozess gemeinsam mit einem anderen Menschen zu stellen.
So dass wir nicht das Gefühl haben, ins Bodenlose zu stürzen.
Einen anderen Zugang bietet unser Körper. Ich denke, er ist in diesem Leben unser schlauester Lehrmeister und wenn wir lernen, seine Signale wahr zu nehmen, können wir sehr gut durchs Leben gehen. Leider ist es die Regel, dass uns geradezu abtrainiert wird, auf den Körper zu hören, so dass es viele Menschen gibt, die ihren Körper kaum mehr wahrnehmen und dementsprechend auch auf seine Signale nicht mehr hören können.
Krankheit entsteht, wenn wir – erfolglos – versuchen, gegen unsere eigenen Gefühle und Gedanken und unseren eigenen Körper anzugehen. Deshalb hat die Auseinandersetzung damit – und das Durchleben bestimmter Situationen, in dem Sinne, dass sie fertig gelebt werden – so einen großen Heileffekt.
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Für Menschen, die Frieden mit Ihrer Herkunftsfamilie schließen wollen, habe ich den Workshop Herkunft: Frieden schließen - freier leben entwickelt.